Hassgesang aus Bremen

Strafmass Album "Erhebe deine Faust" (2011)

"Strafmass" Album "Erhebe deine Faust" (2011)

Bremen präsentiert sich gerne weltoffen und tolerant. Doch die Hansestadt ist eine der Hochburgen im Norden, wenn es um den Hassgesang von Neonazis geht. Im Schatten der deutschlandweit bekannten Rechtsrock-Bands „Endstufe” und „Kategorie C” sind zuletzt zwei neue Musikgruppen an der Weser aufgetaucht: „Bunker 16” und „Strafmass”.

„Ja, nun sind wir wieder da, mit neuen Liedern gegen das System! Ja, wir sind Strafmass, Musik ist unsere Waffe!”, heißt es auf dem neuen Album „Erhebe deine Faust” der neonazistischen Skinhead-Band „Strafmass”. Das Cover zeigt deutsche Kindersoldaten des Zweiten Weltkriegs vor einer schwarz-weiß-roten Fahne. Passend glorifiziert die Band in der Ballade „Opa” den Kampf des Großvaters während dieses Krieges als Pionier in Russland:

Logo der "Strafmass Crew"

Logo der "Strafmass Crew"

„Fliege mit dem Wind auf nach Walhall, auf in die ins Reich der Helden und großen Krieger.”

Im Lied „Tag der Arbeit” über den 1. Mai heißt es:

„Auf, auf Kameraden, kommt und reiht euch ein, nationaler Widerstand hört man es aus allen Kehlen schreien!”

Die rassistische Ausrichtung der Gruppe wird im Lied „Erhebe deine Faust” deutlich:

„Einwanderungsstopp in jedem Ort, (…) Deutschland wach endlich auf, Deutschland erhebe deine Faust, Deutschland schlage endlich zurück.”

Wessen Geistes Kind die Bandmitglieder sind, offenbaren sie einige Liedzeilen weiter:

„Alte Grenzen müssen wieder her, (…) wir wollen wieder ein Deutschland, wie es einmal war, voller Stolz und voller Trotz.”

"Blood and Honour" Konzert mit Strafmass

"Blood and Honour" Konzert mit "Strafmass" (2009)

Auf ihrem ersten Album „Wir kriegen euch alle” aus dem Jahr 2010 finden sich Songs wie „Combat 18”:

„Im Kampf um die Freiheit, im Kampf um das deutsche Reich,
die Fäuste geballt, wir stehen schon längst bereit, (…) schöne Grüße von Combat 18, (…) C18 what ever it takes, we are fighting, (…) the war is coming now. Klagt nicht, kämpft, das ist das was für uns zählt.”

Oder „Hail 28” („28 steht für „Blood and Honour”):

„Remember you are proud for being white. (…) We are Combat 18 (…) Hail 28, Hail C18 (…) We are Combat 18 and we hate you (…) lets fight.”

Im ersten Lied der CD – mit dem Titel „Strafmass” – ist zu hören:

„Im Kampf um unsere Nation ist uns jedes Mittel Recht. Militantes Vorgehen, ja das ist unsere Art, wir kämpfen gegen das System und gegen Volksverrat.”

Dennis Zadow bei NPD-Demonstration in Bremen (2011)

Dennis Zadow bei NPD-Demonstration in Bremen (2011)

Der Sänger der Band, Dennis Zadow aus dem Bremer Stadtteil Blumenthal, ist in der rechten Szene kein Unbekannter: So versucht er 2008, zusammen mit bewaffneten Kameraden der „Freien Nationalisten Bremen”, sich einer Antifa-Demo in Bremen zu nähern und wird von der Polizei festgesetzt. 2011 marschiert er auf einer Demonstration der NPD durch die Bremer Neustadt.

Unterstützung für ihren rechten Hassgesang bekommt die Band von der so genannten „Strafmass-Crew”. Auf deren T-Shirt sind neben dem Schriftzug „Strafmass… mehr als nur Musik” ein deutscher Soldat mit gezückter Pistole sowie „C18” abgebildet. C18 ist die Abkürzung für „Combat 18” – dem bewaffneten Arm des Neonazinetzwerks „Blood and Honour” („B&H”). Im August 2009 ist die Band für ein „B&H” Konzert in den Niederlanden angekündigt. Auf der Konzerteinladung, der in Deutschland verbotenen Organisation, heißt es, die Einnahmen sollten „zurück in die Bewegung fließen”.

„Bunker 16”: „unbändiger Hass”

Bunker 16 (M) (Quellen: Album von "Bunker 16 - Alles oder nichts"

"Bunker 16" (M) (Quellen: Album Cover und Booklet von "Bunker 16 - Alles oder nichts")

Für das Neonazi-Netzwerk „Blood and Honour” spielte auch die Bremer Skinhead-Band „Bunker 16”. Die Musikgruppe ist im Dezember 2011 für ein „B&H” Konzert in Ungarn angekündigt. Im November desselben Jahres spielt sie unter anderem mit „Die Lunikoff-Verschwörung” auf dem Gelände der Gaststätte „Zur deutschen Eiche” in Rothenburg/Oberlausitz. Anlass war ein Solidaritätskonzert unter dem Motto „Freiheit für Erich Priebke”. Die Internetseite der Kampagne für den NS-Kriegsverbrecher Priebke, ist registriert auf den Bremer Neonazi Henrik Ostendorf. Im Mai 2011 spielte „Bunker 16” vor rund 150 Neonazis im Süden von Bremen in Groß Mackenstedt. Dort feierte „Endstufe”, die wohl älteste noch aktive Rechtsrock-Band Deutschlands, ihr 30-Jähriges Jubiläum. Im selben Monat erschien das erste Album von „Bunker 16”: „Alles oder nichts” bei „Front Records„. Auf der CD werden in dem Lied „Wehrmachtssoldat” die Streitkräfte der Nationalsozialisten verherrlicht:

„Blood and Honour” Kon­zert mit "Bunker 16" (2011)

„Blood and Honour” Kon­zert mit "Bunker 16" (2011)

 

„Gekämpft hast du für Volk und Familie und starbst als großer Held. (…) Der Tag der Rache er kommt und der Wind der wendet sich. Dein alter Geist wird erwachen und auch der letzte wirds dann sehen”.

Im Song „Wach endlich auf” hetzt die Gruppe offen rassistisch:

„die ganzen Asylanten sie gehen nie wieder weg. Deutschland wach endlich auf. Setz dich zur Wehr (…) Ja wir müssen kämpfen für unsere Freiheit. (…) Noch mehr Ausländer werden eingeflogen (…) Ich frage mich wann die Bombe, wann sie endlich explodiert (…) Ein unbändiger Hass er treibt uns voran!”

Alle Bandmitglieder von „Bunker 16” stammen aus dem Süden Bremens und sind seit Jahren in der rechten Szene aktiv: Sänger und Gitarrist Mike Meinert spielte bereits bei den Bands „Weserstolz” sowie Endlöser”. Gitarrist Danny Hellwig war 2004 an einem Überfall von Neonazis auf eine Gewerkschaftsveranstaltung in Verden beteiligt. Der Schlagzeuger der Band Carsten Löhmann ist seit Anfang der 1990er Jahre in Bremens Rechtsrock-Szene aktiv. Er war an verschiedenen Musikprojekten, unter anderem „Endstufe”, beteiligt und betreibt in Syke-Barrien ein Baugeschäft. Der Bassist der Band, Tom Möller, wird der so genannten „Endstufe-Crew” Niedersachsen zugerechnet.

Braune Musik-Szene in Bremen

Symbol der Hammerskins: Zwei gekreuzte Hämmer

Symbol der Hammerskins: Zwei gekreuzte Hämmer

Sowohl „Bunker 16” als auch „Strafmass” bestehen seit rund drei Jahren. Die rechte Musik-Szene in Bremen ist gefestigt und gilt als eine der ältesten in der Bundesrepublik: Die Skinhead-Band „Endstufe” gibt es bereits seit 31 Jahren. „Endlöser” existiert, nach eigenen Angaben, seit 18 Jahren. „Kategorie C” bedient deutschlandweit den Musikgeschmack von vermeintlich unpolitischen Fussball-Hooligans: Die rechte Band rühmt sich damit, schon seit 15 Jahren auf der Bühne ihre gewaltverherrlichenden Songs zu spielen. Zudem gibt es in Bremen, neben der Berliner Sektion, das älteste Chapter der elitären „Hammerskin-Nation”. Um die Bremer Hammerskin-Band „Hetzjagd” ist es jedoch ruhig geworden. Zuletzt erschien eines ihrer Lieder auf dem Sampler „Jamel scheißt auf den Förster – Soli Sampler” für den inhaftieren Neonazi Sven Krüger. Auf dessen Konzerten waren Bremer Hammerskins gern gesehene Gäste.

1 comment for “Hassgesang aus Bremen

  1. meinert
    27. April 2014 at 10:26

    hallo, ich als mutter finde es unerträglich, daß der name meines sohnes in zusammenhang mit der rechten szene gebrachr wird.
    lutz henze hatte meinem sohn vor jahren nach einem schweren sturz das leben gerettet und dafür gesorgt, daß er im krankenhaus behandelt wird.
    daraus entstand ein kontakt zu rechten bands, in denen mein sohn nur kurzfristig mitwirkte, schnell aber die wahren hintergründe der
    musikthemen begriff und sich darum sofort wieder zurückzog.
    dies ist viele jahre her und hat mit aktualität nichts zu tun.
    ich weise darauf hin, daß mein sohn rechtsmittel in anspruch nehmen wird, sollten sie die verleumderische berichterstattung gegen ihn
    fortsetzen.

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