Mit Vollspann gegen den Kopf…

René W. (rechts mit City Warriors T-Shirt) (Quelle: Antifa Bremen)

René W. (rechts) zusammen mit Bremer Neonazi-Hooligans  (Quelle: Antifa Bremen)

Im Mai 2012 trat Renè W. einem am Boden liegenden Schalkefan mit solcher Härte ins Gesicht, dass er diesem mehrere Gesichtsknochen brach. Am 4. März 2013 verurteilte ihn das Landgericht Bremen wegen versuchten Totschlags zu drei Jahren Haft ohne Bewährung. Ein Prozessbericht.

Am 5. Mai 2012, dem 34. Spieltag der Fussball-Bundesliga, verliert Werder Bremen gegen Schalke 04 zwei zu drei in Bremen. Fans beider Vereine sind auf dem Heimweg in Richtung Bremer Hauptbahnhof. Auch das Opfer des späteren Angriffs geht zusammen mit einem Bekannten, der zum ersten Mal ein Fussballspiel im Stadion besucht, vom Weserstadion zum Bahnhof. An der Kreuzung Rembertistraße und Rembertiring greift dann eine Gruppe Bremer Hooligans die Schalkefans gezielt an.

Renè W. behauptete in der Hauptverhandlung, das Opfer habe ebenfalls zu einer Gruppe aus Hooligans gehört, aus der auch Flaschen geworfen worden wären. Diese Version stellte sich nach Vernehmung des Opfers und einer Reihe von Zeugen als schlichtweg falsch heraus. Im Verlauf des Angriffs ging das Opfer zu Boden und blieb dort benommen am Straßenrand liegen. Ein Zeuge, der das Geschehen beobachten konnte, sagte aus, dass der Großteil der Angreifer bereits dabei war von ihren Opfern abzulassen. Erst dann habe der angeklagte Täter dem wehrlosen, am Boden liegenden Opfer ins Gesicht getreten. Dieser erlitt eine Reihe von Trümmerbrüchen im Gesicht und war aufgrund der physischen und psychischen Verletzungen bis zum Prozessbeginn arbeitsunfähig geschrieben.

Der Täter

Im Zentrum des Prozesses stand die enorme Brutalität, mit der der Angriff ausgeführt wurde. Der Täter René W ist langjähriger Fußballspieler und spielte bereits in der Werderjugend. Gemessen an seiner dadurch überdurchschnittlichen Beinkraft, lässt sich ablesen mit welcher Brutalität er seinem Opfer mit Vollspann gegen den Kopf trat. Zudem ist er etwa 30 Kilogramm schwerer und deutlich größer als das Opfer des Angriffs. Der Arzt, der den schwerverletzten Mann behandelte, sagte aus, dass Verletzungen dieser Art für gewöhnlich bei Stürzen aus großer Höhe oder Verkehrsunfällen auftreten. Der Vorsitzende Richter, Hellmut Kellermann, berichtete, dass er einen anonymen Brief erhalten habe, in dem das Geschehen von einem Zeugen beschrieben worden sei. Der unbekannte Autor  – nach eigener Aussage selbt  Teil der Hooliganszene – sei von diesem Ausmaß der Gewalt so erschrocken, dass er nicht länger zu den Geschehnissen schweigen könne und sich veranlasst sah, dem Gericht von dieser ungewöhlichen Brutalität zu berichten.

Landgericht Bremen (Archivfoto)

Landgericht Bremen (Archivfoto)

Eine politische Motivation der Tat wurde vom Gericht ausgeschlossen, da es dem Angeklagten zum Zeitpunkt der Tat nicht auf die Herkunft oder politische Richtung des Opfers angekommen sei. Das Umfeld in dem sich der Täter bewegt, ist allerdings dennoch aufschlussreich: Renè W. ist nach eigener Aussage seit 2006 nicht mehr in der Hooliganszene aktiv gewesen.  Davor war er allerdings bei „Eastside” und den „City Warriors”. Politisch stand er dem extremen rechten Milleu sehr nahe. Obwohl er nach seinem angeblichen Ausstieg 2006 den Kontakt zu den meisten Hooligans und vor allem den Neonazis verloren habe, war er bei dem Angriff im Mai 2012 mit bekannten Neonazi-Hooligans aus Bremen unterwegs. Zu der Gruppe des Täters gehörten neben zwei Unbekannten auch Andre S., Mirko H. und Dennis D. Ein Taxifahrer sagte aus, dass die Angreifer nach dem Überfall von einem bereits in der Seitenstraße wartenden schwarzen Mercedes abgeholt wurden und zur Kneipe „Bells” flohen, welche als rechter Treffpunkt bekannt ist.

Das Urteil

Das Gericht kam zu dem Schluss, dass Renè W. bei seiner Tat den Tod seines Opfers zumindest „billigend in Kauf genommen” hat. Zudem sei die Sozialprognose für ihn aufgrund seines wiederholten Auftreten als rechter Hooligan denkbar schlecht. Nach eigenen Angaben zu seiner Biografie habe er schon in seiner Jugendzeit Kontakt zur rechten Szene in Bremen gehabt, wenn auch stets in Verbindung mit dem Fußballsport. René W. gab selbst an, dass er nur aufgrund seiner damaligen Beziehung zu seiner Frau, von er mittlerweile geschieden ist, von den Hooligans Abstand genommen hatte. Kaum war er von dieser getrennt, suchte er erneut den Kontakt. Aufgrund der äußersten Gleichgültigkeit gegenüber einem Menschenleben und seiner Brutalität wurde er  wegen versuchten Totschlags zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

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