Warum ignoriert Mäurer die „Hammerskins”?

Der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hat gestern auf einer Pressekonferenz im Rathaus den „5. Bericht über Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit im Land Bremen” vorgestellt. Im Auftrag der Bürgerschaft versucht der Senat auf rund 70 Seiten ein Lagebild über „Rechtsextremismus” abzugeben. Eine erste, kurze Analyse des BREMER SCHATTENBERICHTS zeigt eine auffällige Lücke im Bericht: Die Bremer „Hammerskins” werden mit keinem Wort erwähnt.

Der Verdener Neonazi Malte Bormann mit Hammerskin Tattoo

NPD-Aktivist Malte Bormann mit „Hammerskin” Tattoo (Quelle: taz/Otto Belina)

Wer sind die „Hammerskins”?
Die „Hammerskin Nation” wurde 1986 in Dallas im US-Bundesstaat Texas gegründet. Anfang der 1990er Jahre entstanden sogenannte „Chapter”auch in Deutschland, eines der ersten in Bremen. Die „Hammerskins” verstehen sich als „weiße rassistische Bruderschaft” und als Elite innerhalb der rechten Skinhead-Szene. Sie werden immer wieder mit Waffenhandel und Schießtrainings in Verbindung gebracht. Ihr Leitsatz sind die „14 Words” des US-Rechtsterroristen David Lane:

„We must secure the existence of our people and a future for white children.”

„Wir müssen die Existenz unseres Volkes und die Zukunft für die weißen Kinder sichern.”

Die Behörden gehen bundesweit von einem Personenpotenzial von 100 bis 300 Mitgliedern und SympathisantInnen aus, unter ihnen sollen auffällig viele Unternehmer sein.

Wie sind sie organisiert?
Die „Hammerskin Nation” gliedert sich ähnlich wie kriminelle Rockerorganisationen in nationale „Divisionen” sowie regional in „Chapter”. Mittlerweile soll es zehn solcher „Chapter” in Deutschland geben, drei davon alleine in Norddeutschland: Bremen, „Nordmark” und „Pommern”. Innerhalb derer werden „Offiziere” bestimmt, die für einen regelmäßigen informellen Austausch sorgen. Wie auch bei den Rockern gibt es bei den „Hammerskins” ein internes Regelwerk und „Supporter”. Die Unterstützergruppen heißen „Crew 38”. Nur wer eine mehrjährige, aktive Zugehörigkeit zur rechten Szene vorweist, kann Teil der Organisation werden. Vor der Vollmitgliedschaft muss eine Probezeit absolviert werden.

Wie erkennt man sie?
Die „Hammerskins” treten äußerst konspirativ auf und agieren abgeschottet von der Öffentlichkeit. Informationen sollen nicht an die Öffentlichkeit oder Sicherheitsbehörden gelangen. Das Zeigen der „Hammerskin”-Symbole bei Veranstaltungen der rechten Szene soll vermieden werden. Nur intern ist dies erwünscht.

Logo der Hammerskins

Logo der „Hammerskins” (Quelle: Institute for the Study of Violent Groups)

  • HFFH = „Hammerskin Forever – Forever Hammerskins”
  • 38 = CH = „Crossed Hammers” (siehe Logo)
  • Zwei gekreuzte Zimmermannshämmer auf einem Zahnrad = Logo der „Hammerskin Nation”, die für die weiße Arbeiterklasse stehen sollen
  • HN oder HSN = „Hammerskin Nation”
Welche Strukturen gibt es in Bremen?
Laut internen Behördeninformationen soll es in Bremen ein Personenpotenzial von etwa 20 Mitgliedern geben, deren Aktivität sich vorrangig auf das Geschäft mit Rechtsrock beschränkt. Namentlich sind mindestens drei Bremer „Hammerskins” bekannt: Hendrik Stiewe (aus NRW), Betreiber des Versandhandels „Wewelsnurg Records”, Marc Gaitzsch und Marc Andre Beckmann. In Cuxhaven (Niedersachsen) gibt es zudem unter der Leitung von Tim S. die Unterstützerorganisation „Crew 38 Cuxhaven”. Zuletzt waren Bremer „Hammerskins” im Februar 2013 an einem so genannten „national officers meeting“ (NOM) im niedersächsischen Werlaburgdorf beteiligt.

Welche Musikgruppen gibt es in Bremen?

Mitglieder der Band "Endlöser" (Quelle: Myspace.com)

Mitglieder der Band „Endlöser” (Quelle: Myspace.com)

Den Behörden sind durch die Teilnahme an „Hammerskin”-Konzerten oder dem eigenen Bekenntnis zur Szene folgende „Hammerskin”-Bands bekannt:

  • „Endstufe” (Bekannte Bandmitglieder: Jens Brandt und Carsten Löhmann)
  • „Endlöser” (Bekannte Bandmitglieder: Andreas Lohei, Sascha Meis und Marc Gaitzsch.
  • „Hetzjagd” (Bekanntes Bandmitglied: Marc Gaitzsch)

Diese Bremer Rechtsrock-Bands werden im Mäurer-Bericht zwar genannt, die Nähe zu der „Hammerskin Nation” wird jedoch verschwiegen.

Fazit
Die Frage bleibt: Warum fehlen im „Rechtsextremismusbericht 2008 bis 2012” jegliche Hinweise auf die Strukturen und Aktivitäten des Bremer „Hammerskin Chapters”? Auch im alljährlichen Bremer Verfassungsschutzbericht taucht die rassistische Gruppierung seit 2008 nicht mehr auf. Und das, obwohl die Gruppe als mögliche Unterstützerstruktur  des „Nationalsozialistischen Untergrunds” gehandelt wird. Dabei ist das 70-Seiten-Papier an anderer Stelle überraschend ausführlich:  So ist – untypisch für eine Behörde des Inneren – auch „rechtsextremes Denken und Fremdenfeindlichkeit in der Mitte der Gesellschaft” Thema. Auf zwei Seiten wird sogar auf das marginale Ein-Personen-Projekt „Bürgerbewegung Für Bremerhaven“ eingegangen.  KennerInnen der Szene vermuten, dass die Behörden die „Hammerskins” bewusst ignorieren oder sogar schützen wollen.

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