Die Nazi-Rocker der „Brigade 8”

Logo der "Brigade 8 Crew Bremen".

Logo der „Brigade 8 Crew Bremen”.

Neonazistische „Bruderschaften”, wie die „Brigade 8”, die Rockerclubs nacheifern, wurden bisher von Behörden und Öffentlichkeit kaum beachtet. Dies könnte sich mit dem Verbot einer Partyveranstaltung der „Brigade 8 Crew Bremen” nun ändern.

„Eine neue Bruderschaft ist bereits in aller Munde, das Gerücht einer neuen weißen Macht dreht
bereits die Runde. […] Heil! Heil! Heil! Der Bri
gade 8” – Die hier von der Band „Legion Germa
nia” besungene Vereinigung war bisher kaum bekannt. Auch die Behörden zeigten sich lange Zeit
wenig interessiert an den neonazistischen „Bruderschaften”, deren Zahl in den letzten Jahren
sichtbar zugenommen hat. Mit dem öffentlich
keitswirksamen Verbot einer Party der „Brigade 8
Crew Bremen” am 22. Juni dieses Jahres durch
den Bremer Innensenator sind die neonazistischen „Brotherhoods”, die Struktur und Habitus der „Outlaw-Motorradclubs” nachahmen, in den Fokus gerückt.

"General" der "Brigade 8" mit Niedersachsen und Bremen Aufnähern am 25. Mai 2013 in Nienhagen

„General” der „Brigade 8” mit Niedersachsen und Bremen Aufnähern am 25. Mai 2013 in Nienhagen (Quelle: DokuRechts (www.flickr.com/dokurechts))

„Ohne Verfassungsschutz wären wir blind”, dankte der Innensenator dem Bremer Verfassungsschutz angesichts dessen Warnung vor der „Brigade 8”. Dabei finden sich auch ganz ohne geheimdienstliche Mittel anzuwenden in sozialen Netzwerken zahlreiche Hinweise und Bilder, die die Mitglieder ganz offen in ihren Kutten und mit entsprechender NS-Symbolik zeigen. Und auffallend viele Anhänger diverser „Brotherhoods”, darunter auch Mitglieder der „Brigade 8”, nahmen an einem großen RechtsRock- Event am 25. Mai 2013 in Nienhagen (Sachsen-Anhalt) teil.

Angst vor Strafverfolgung und Verboten scheinen die „Bruderschaften” bisher kaum zu haben. Offen militant ist dementsprechend ihre Symbolik: Pistolen, Sturmgewehre und gekreuzte Handgranaten prägen die Selbstdarstellung. Die „Arische Bruderschaft”, die vor allem in Südniedersachsen und Thüringen auch als Ordnertruppe bei RechtsRockkonzerten auftritt, verwendet gekreuzte Handgranaten als Markenzeichen. Unmissverständlich ist auch die Aussage eines Werbebanners der „Brigade 8”: Ein im Stil amerikanischer Gangsterfilme gekleideter Mann hält dort dem Betrachter eine Pistole ins Gesicht. „Vollstrecker Brigade 8” ist dort zu lesen und im Pistolenlauf prangt „1%”. „Einprozenter”, so nennen sich die Motorradclubs, die sich als „Outlaws”, als „Gesetzlose” verstehen.

"Brigade 8" Aufnäher des Zentralversands (links) und das historische Vorbild: Die NS-Organisation "Deutsche Arbeitsfront" (Quelle links: "Zentralversand")

„Brigade 8” Aufnäher des Zentralversands (links) und das historische Vorbild: Die NS-Organisation „Deutsche Arbeitsfront” (Quelle links: „Zentralversand”)

Neben der Rockerszene sehen die Behörden auch im verbotenen „Blood & Honour”-Netzwerk ein Vorbild der „Brigade 8”. Der von ihr benutzte Zahlencode „28” steht nicht nur für „B8”, sondern gilt auch als Szenekürzel für „B&H” (Blood & Honour). Zudem präsentiert sich zum Beispiel ein Mitglied der „Brigade 8 Ostdeutschland” ganz offen im Internet vor einer „Blood & Honour”-Fahne. Auch die guten Verbindungen in die Rechtsrockszene, insbesondere zu Bands, wie „Strafmaß” und „Bunker 16”, die als „B&H”-nah gelten, legen entsprechende Verbindungen nahe.

Strafmass beim "Eichsfeldtag" der NPD am 4. Mai 2013

Strafmass beim „Eichsfeldtag” der NPD am 4. Mai 2013

Ihre Wurzel hat die „Brigade 8” in Schleswig-Holstein. Hier residiert auch der „President” aller „Chapter” der unterschiedlichen Bundesländer. Von Schleswig aus vertreibt dieser über seine „Nordic War Clothing & Street- war Company” allerlei Merchandise der Gruppe. Für Anhänger, die nicht Mitglied sind, gibt es dort Aufnäher mit der Aufschrift „Supporter Brigade 8 Crew” und dem Symbol eines Sturmgewehrs. Auch der Online-Shop „Zentralversand” von Rene Herrmann, der in Chorin (Brandenburg) sitzt, vertreibt Aufnäher für die „Unterstützer”.

Kutte der "Brigade 8" (Quelle: vk.com)

Kutte der „Brigade 8” (Quelle: vk.com)

Unklar ist, über wie viele Mitglieder und „Chapter” die Vereinigung tatsächlich verfügt. Neben den „Chaptern” in Schleswig-Holstein und Bremen, die auch als „Northland” und „Nordic” bezeichnet werden, existiert ein Ableger in Niedersachsen, deren „Member” vor allem aus den Regionen um die Landeshauptstadt kommen. Hier traten bisher vor allem Marc J. und Sebastian G. als Mitglieder der „Brigade 8” auf. Beide sind eher in der subkulturell orientierten RechtsRockszene zuhause, wobei Marc J. auch schon an neonazistischen Aufmärschen teilnahm. Das „Chapter Ostdeutschland” hat seinen Schwerpunkt in der Oberlausitz. Daneben soll es noch „Chapter” in Thüringen, Sachsen, Mecklenburg und Nordrhein-Westfalen geben. Außerdem erweckt die „Brigade 8” den Eindruck einer Expansion ins Ausland. So tritt ihr Kopf seit kurzem als „President Brigade 8 World” auf.

Die „Brigade 8” ist nicht die einzige neonazistische Bruderschaft, die ihren Stammsitz im nördlichsten Bundesland hat. Hier residiert auch die „Bruderschaft Midgards Wächter”. Diese veranstaltete Anfang August einen „Balladenabend”, bei dem die neonazistischen Liedermacher „Raunijar” und Kai Müller aus dem niedersächsischen Bad Lauterberg auftraten. Das Publikum war denn auch eine Mischung aus ein paar bekannten AktivistInnen aus der Neonazi-Szene und denjenigen, die eher subkulturell in der RechtsRockszene unterwegs sind. Auch Müller trägt gern ein „Rockeroutfit”. Seine Kutte zeichnet ihn als Mitglied des „Chapters Süd-Harz” der „Bruderschaft Sign of the Hammer” aus.

Ob „Brigade 8”, „Sign of the Hammer”, „Straight hate München”, „Urd&Skult”, „Bloodlines Germania”, „Blood Brother Nation” oder „Wolf’s Hook White Brotherhood” – alle betonen trotz all der Rockermimikry, dass sie kein MC, also kein „Motorradclub” seien. Zu groß ist die Angst, die wirklichen Rocker mit ihren Revieransprüchen auf den Plan zu rufen. Dabei versuchen die „Bruderschaften” durchaus, sich mit den großen Klubs gut zu stellen, erhofft man sich doch, so etwas mehr von deren Mythos der Unantastbarkeit abzubekommen.

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