„So­li­da­risch gegen Ras­sis­mus”

"So­li­da­risch gegen Ras­sis­mus"

Plakat der Demonstration

AntifaschistInnen aus Bremen rufen zu einer Demonstration gegen Rassismus auf. Am 26. April wollen sie gegen die „deutsche Normalität” auf die Straße gehen. Der BREMER SCHATTENBERICHT sprach mit Maren Müller, Sprecherin der Gruppe, über die geplante Demonstration.

Bremer Schattenbericht: Euer Aufruf zur Demonstration ist rund 14.000 Zeichen lang. Könnt Ihr euer Anliegen an dieser Stelle kurz zusammenfassen?

Maren Müller: Wir wollen mit unserer Demonstration natürlich Öffentlichkeit schaffen. Unser Aufruf ist der Versuch einer Analyse der, unserer Meinung nach, herrschenden rassistischen deutschen Normalität. Vom NSU- Prozess ist kaum noch etwas in den Medien zu lesen oder zu hören. Täglich sterben Menschen an den EU-Außengrenzen, weil versucht wird, ihnen den Zugang nach Europa zu verunmöglichen. Menschen werden aufgrund ihrer Hautfarbe oder Haarfarbe von der Polizei kontrolliert und drangsaliert. All das sind Gründe um für uns eine Demo zumachen und diese Verhältnisse zu kritisieren.

Ihr fordert „kein Frieden mit der deutschen Normalität”. Was genau ist eurer Meinung nach „normal” in der Bundesrepublik und warum habt ihr ein Problem damit?

„Normal“ soll beschreiben, dass schreckliche Geschehnisse, trotz eines möglichen kurzen empörten oder empathischen Aufschreis, schnell wieder in Vergessenheit geraten, und sich in ein als „normal“ empfundenen Gesamtbild einfügen. Kurzum, dass was gestern schrecklich, bedrohlich oder unfassbar erschien, ist heute schon wieder „normal“. Als „normal“ bezeichnen wir den Umgang des deutschen Staates mit dem NSU, statt einer Aufarbeitung der Verwicklungen von Polizei und Verfassungsschutz findet ein Hochrüsten eben dieser Behörden statt. Tägliche Abschiebungen von Menschen in Armut und Leid und alltägliche rassistische Übergriffe auf Menschen, all das ist für uns „deutsche Normalität“. Und zur dieser Normalität gehört auch, über Rassismus zu schweigen. Wir wollen eine solidarische Gesellschaft, ohne Rassismus und in der die Menschen nicht nach ihrer vermeintlichen Verwertbarkeit sortiert werden.

Bremen gilt als „weltoffen und tolerant”. Auf der Internetseite der Stadt heißt es: „Bremen muss man erleben! (…) Ob gebürtig oder zugezogen – die Hansestadt erobert die Herzen aller”. Stimmt das so?

Solche schmissigen Slogans, wie hier zitiert, dienen ja dazu, die Stadt Bremen werbewirksam darzustellen und haben mit der Realität in Bremen nicht viel zu tun. Bis heute verteidigt der Ex- Oberbürgermeister Henning Scherf (SPD) die bis vor einigen Jahren auch in Bremen übliche Zwangsvergabe von Brechmittel an vermeintliche Dealer. Der europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat diese Vergabe als Folter verurteilt. Bis heute wird darum gekämpft, dass ein Denkmal an der Sielwallkreuzung an den durch diese Folter getöteten Laye Alama Conde erinnert. Dass heute noch darum gekämpft wird, zeigt auch, dass über Rassismus geschwiegen wird und das Leid der Angehörigen nicht anerkannt wird. Das bereits erwähnte „Racial Profiling“ findet auch in Bremen flächendeckend statt: Vom Flughafen zum Hauptbahnhof bis ins „Viertel“. Proteste und Stimmungsmache gegen die Unterbringung von Geflüchteten gab und gibt es auch in Bremen. Und auch rassistische Brandanschläge, wie zuletzt 2012 in Bremen-Woltmershausen auf das Haus einer Familie, gab es auch hier.

In den vergangenen Jahren fanden antifaschistische Demonstrationen meist als Reaktion auf Neonazi-Aktivitäten statt. Hat sich an der Politik der Antifa-Gruppen in Bremen etwas verändert?

Da können wir natürlich nur für unsere Gruppe sprechen, wir denken, dass das Engagement gegen Nazi-Aktivitäten nach wie vor ein wichtiger Pfeiler unserer Arbeit ist. Uns ist allerdings auch wichtig, nicht nur zu reagieren, sondern im Gegenteil auch in die Offensive zu gehen. Es gibt jenseits von Neonazis in dieser Gesellschaft jede Menge an Menschenverachtung die bekämpft werden muss – damit wären wir dann wieder bei den Inhalten des Aufrufs zur Demo und es wird klar, wie viel unter den Tisch fällt, wenn Antifa-Demos nur in Erscheinung treten, wenn es gegen Nazis und Nazi-Aktivitäten geht! Gerade aus einer linken Perspektive ist Solidarität mit den von Rassismus betroffenen Menschen mehr als wichtig. Rassismus gibt es eben nicht nur in Deutschland. In Zeiten, in denen auch europaweit rassistische und nationalistische Strömungen zunehmen, wollen wir ein Zeichen für ein solidarisches Miteinander anstelle eines rassistischen Gegeneinanders setzen.

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